Gottesdienste

Die Gottesdienste entfallen, solange das aufgrund der staatlichen und kirchlichen Regelungen vorgeschrieben ist.


Predigt für den Sonntag 29. März 2020 - Judica

 

Lesepredigt Sonntag, 29.März 2020 (Steffen Palmer)
Sonntag Judika

 

Predigttext: Hebräer 13,12-14

12      Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

13      So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

14      Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

 

Liebe Gemeinde,

…es ist erstaunlich, dass man Bibeltexte auf einmal „mit ganz anderen Ohren“ liest, wenn sich die eigene Lebenssituation geändert haben, denn unwillkürlich liest man die eigenen Lebens­umstände in den Bibeltext "mit hinein“…

„Lasst uns hinausgehen vor das Lager“ – in der derzeitigen Lage denke ich sofort: „Wie schön wäre das!“. Raus aus dem „Lager“, in dem einen schon die ersten Anfälle von „Lagerkoller“ beschleichen, raus aus den eigenen vier Wänden, wieder Freunde treffen, spielen, sich austauschen – wie schön wäre das…! Und doch ist es gut und sinnvoll, dass wir gerade „das Lager“ nur sehr dosiert verlassen – soziale Distanz als Zeichen der Nächstenliebe, ein Gedanke, an den auch ich mich noch erst gewöhnen muss, und der doch meiner Einschätzung nach gerade richtig und wichtig ist.

„Lasst uns hinausgehen vor das Lager… um zu tragen“. Sofort muss ich an die denken, die in diesen schwierigen Zeiten ganz buchstäblich ihre „Lager“ verlassen, um „zu tragen“.
Mitglieder der örtlichen Sportvereine, die Tüten tragen für ältere Menschen – eine schöne und mitmenschliche Aktion!
Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, die unser Gesundheitssystem tragen, die bis an ihre Grenzen und darüber hinaus da sind für uns alle.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Supermärkten und Einkaufsläden, die palettenweise Güter (und ja, auch Toilettenpapier…) tragen, damit wir auch in der Krise versorgt sind.
Politiker, die Verantwortung tragen für uns alle, die tagesaktuell immer wieder neue Entscheidungen treffen müssen und dabei genau abwägen müssen, was wohl „das Beste für uns alle“ ist.
DANKE an alle, die „ihre Lager verlassen, um zu tragen“…! Zwei Verse nach dem heutigen Predigttext steht im Hebräerbrief: „Vergesst nicht Gutes zu tun und mit andern zu teilen“.

Und dann tragen ja auch wir alle. Wir tragen unser Miteinander, unsere Gesellschaft, manchmal unsere Nachbarn, vielleicht unsere altgewordenen Eltern, wir tragen Verantwortung füreinander – und tun das (hoffentlich) auch in diesen Zeiten: indem wir einander anrufen, füreinander beten, miteinander – wenigstens digital – im Gespräch bleiben, einander zuhören, miteinander vom Balkon singen. Wie trag-fähig (im wahrsten Wortsinn) unser Miteinander ist, das zeigt sich gerade und erst in schweren Zeiten wie diesen.

Wir tragen aber nicht nur unser Miteinander. Wir tragen auch unsere Sorgen. Wie wird alles werden? Was ist mit meiner Gesundheit? Was ist, wenn die Rezession kommt, Kurzarbeit, wenn zu den gesundheitlichen Sorgen noch finanzielle Sorgen hinzukommen? Wie lange müssen, wie lange können wir durchhalten in der jetzigen Krise? Was hilft gegen diese Sorgen? Kann Gottes Kraft helfen? Petrus schreibt in einem seiner Briefe (1.Petrus 5,7): „All eure Sorge werfet auf Gott – denn er sorgt für euch!“.

Grund zur Sorge hatten vor 2.000 Jahren auch schon die ersten Christen. Darum geht es – historisch gesehen – im Predigttext aus dem Hebräerbrief. Der Schreiber des Hebräer­briefes ruft die Christinnen und Christen auf „ihr Lager zu verlassen, um die Schmach Jesu zu teilen“.

Was ist gemeint? Jesus war am Kreuz gestorben, als verurteilter Verbrecher. Der Tod am Kreuz, er war die schwerste Strafe, die ein römischer Richter verhängen konnte. Und nun sollten die ersten Christen sich öffentlich auf die Straße stellen und sich zu diesem Jesus bekennen. Sie sollten sagen: „dieser verurteilte Schwerverbrecher, an den glauben wir, auf den hoffen wir“. Sie mussten damit rechnen, dass auch sie gefangen genommen und verurteilt werden, wenn sie sie sich öffentlich zu einem verurteilten Verbrecher bekennen. Und so kam es auch – viele der ersten Jünger wurden öffentlich hingerichtet, wie Jesus selbst.

Unser Predigttext hat also einen sehr ernsten Hintergrund. Öffentlich hinausgehen, um sich zu einem verurteilten Verbrecher zu bekennen und vielleicht deshalb zu sterben? Wer will das schon? Da war es doch leichter, sich „im Lager“ zu verstecken und das öffentliche Bekenntnis zu Jesus zu vermeiden.

Mich erinnert dieser Vers stark an die bevorstehende Oster- und Pfingstzeit. Da war es doch auch so: ängstlich und verzagt hatten sich die Jünger vor Ostern „in ihr Lager zurückgezogen“, in ihrem Haus versteckt, sie hatten die Türen verrammelt, wollten bloß nicht hinaus in die Öffentlichkeit. Aber dann kam erst die befreiende Botschaft von Jesu Auferstehung, und sieben Wochen später kam Gottes Geist, pfiff durch alle Ritzen des Hauses, setzte sich ins Herz der Jünger, erfüllte sie mit neuem Mut, neuer Kraft und neuer Hoffnung. Und was passierte? Von Gottes Geist beflügelt und beseelt ging Petrus „vor das Lager hinaus“ – derselbe Petrus, der Jesus wenige Wochen vorher ängstlich verleugnet hatte –, stellte sich öffentlich auf den Marktplatz und bekannte sich zu Jesus, dem Gekreuzigten. „So lasst uns nun hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen“. Das tat Petrus.

Und das sollen bis heute Christinnen und Christen tun. „Vor das Lager“ sollen wir gehen, und Vers 12 ergänzt: „draußen vor dem Tor“ – das war früher der Ort, wo die Ausgestoßenen lebten, die Isolierten, darum war dort auch die Hinrichtungsstätte. „Draußen vor dem Tor“, das war der ausgegrenzte Bereich der Stadt, dort lebten die Ausge­grenzten, die „Verlorenen“. Zu ihnen gehen, aus dem gemütlichen Lager heraus, vor das Tor, das war und ist bis heute die Aufgabe derjenigen, die an Christus glauben. Und das Mutmachende ist: Christus ist schon dort, vor dem Tor, vor dem Lager, bei den Ausgegrenzten – so lasst uns nun zu ihm hinausgehen, so sagt es unser Bibeltext.

Petrus ist gegangen. Die Jünger sind gegangen. Viele von ihnen haben dafür mit ihrem Leben bezahlt. Sie haben diese Lebensgefahr bewusst auf sich genommen. Und waren vielleicht dabei getröstet von dem Schlusssatz unseres Predigttextes: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“.

Der Blick auf die Ewigkeit, auf Gottes Herrlichkeit, in der es keinen Tod mehr gibt, kein Leiden, keine Krankheit und keine Not – er hat den Jüngern Kraft gegeben.
Gottes mutmachender Geist – er hat den Jüngern Kraft gegeben.
Dass Jesus, der selbst gelitten hat, bei ihnen war im Leiden, dass er da war, vor dem Lager, draußen vor dem Tor – das hat den Jüngern Kraft gegeben.

Dass Gottes Kraft auch in schwierigen Zeiten wie diesen in uns wohnt, das wünsche ich Ihnen und mir. „Lass dir an Gottes Gnade genügen, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2.Korinther 12,9).

 

 

Morgengebet

Eingang

Der Herr ist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in unseren Herzen.

Der Herr ist nah. Näher als unser Atem und unser Herzschlag.

Näher, als wir uns selbst sind.

Der Herr ist gegenwärtig. Wie Raum, Wind, Zeit, Stille oder der Tag.

Der Herr ist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in unseren Herzen.

 

Psalm (nach Psalm 143)

Lass mich am Morgen hören deine Gnade, denn auf dich vertraue ich.

Zeige mir den Weg, den ich gehen soll, denn zu dir erhebe ich meine Seele.

 

Lehre mich, deinen Willen zu tun, denn du bist mein Gott, dein guter Geist führe mich auf sicherer Bahn.

 

 

Gebet (Dietrich Bonhoeffer)

Gott, zu Dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu Dir; ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht; ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede;

in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld;
ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weißt den Weg für mich. Amen.

Abendgebet

Eingang

Der Herr ist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in unseren Herzen.

Der Herr ist nah. Näher als unser Atem und unser Herzschlag.

Näher, als wir uns selbst sind.

Der Herr ist gegenwärtig. Wie Raum, Wind, Zeit, Stille oder der Tag.

Der Herr ist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in unseren Herzen. Amen.

 

Psalm (nach Psalm 138)

Von ganzem Herzen will ich dir danken und deine Treue preisen.

Du hast mir Mut verliehen und meiner Seele Kraft gegeben.

In Bedrängnis und Not erhältst du mich und gibst mir neue Kraft.

Du, Herr, wirst alles für mich zu einem guten Ende bringen!

Herr, deine Güte währt ewig; und was du zu tun begonnen hast, davon wirst du nicht ablassen.

 

Gebet (Dietrich Bonhoeffer)

Herr, mein Gott, ich danke dir, dass du diesen Tag zu Ende gebracht hast.
Ich danke dir, dass du Leib und Seele zur Ruhe kommen lässt.

Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.

Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages
und hilf, dass ich allen vergebe, die mir Unrecht getan haben.

Lass mich in Frieden unter deinem Schutz schlafen
und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis.

Ich befehle dir die Meinen, ich befehle dir dieses Haus,

ich befehle dir meinen Leib und meine Seele. Gott, dein heiliger Name sei gelobt. Amen.